
Wolfshybriden und verhaltensauffällige Hunde — Tiere, die andernorts längst aufgegeben wären — finden hier viel Platz, Zeit und Menschen, die nicht aufgeben. Erbaut in zwei Jahren oberhalb von Zella-Mehlis. Ohne einen einzigen Cent aus der Staatskasse.
Wo vor zwei Jahren nur eine verfallene Anlage stand, steht heute das erste sich selbst versorgende Tierheim seiner Art: Eine Solaranlage liefert Strom, eine Zisterne das Wasser, geheizt wird mit Holz. Rund 100.000 € flossen allein ins Baumaterial — dazu unzählige ehrenamtliche Stunden der Vereinsmitglieder. Getragen wurde der Aufbau zu etwa 80 % von den Tattoo-Angels und zu 20 % aus Spenden.
Dass es überhaupt so weit kam, war keine Selbstverständlichkeit: Anfangs gab es in Zella-Mehlis sogar eine Petition gegen das Vorhaben. Erst ein gemeinsamer Rundgang mit dem Stadtrat räumte die Vorbehalte aus. Heute sagt Bürgermeister Torsten Widder über den Gründer:
„Du hast mir ein Stück weit die Augen geöffnet, was Tierschutz bedeutet — nicht nur mit Worten, sondern durch Taten."Bürgermeister Torsten Widder zur Eröffnung (inSüdthüringen, 01.05.2026)
Gründer und treibende Kraft des Paradieses ist Lars Luck. Geboren in Bad Salzungen, kam er als Kind in der DDR mit gerade einmal drei Jahren ins Heim — „Zwangsadoption", weil seine Eltern wegen Ausreiseanträgen in Ungnade gefallen waren. Es folgten 14 Jahre in Heimen, die er heute „Umerziehungslager" nennt: Übergangseinrichtungen, Arrest, Unterdrückung. Kaum jemand nannte ihn noch beim Namen. Er wurde Zögling 32 — eine Nummer.
In der letzten Station, einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche, traf er den Erzieher Dietmar Schnell. „Anders, streng, aber gerecht" — und der erste Mensch seit langem, der nicht über ihn urteilte, sondern an ihn glaubte und seine Stärken förderte.
„Der hat meine Akte nicht gelesen und war völlig unvoreingenommen. Und er hat mich mit Tieren zusammengebracht. Irgendwie hat Dietmar gespürt, dass Tiere mir helfen können — und ich ihnen."Lars Luck über Dietmar Schnell (MDR THÜRINGEN, 02.05.2026)
Was Dietmar Schnell in Gang setzte, hielt ein Leben lang. Lars Luck machte seine Lehre, wurde Chemielaborant, dann Jungunternehmer — und merkte, dass finanzieller Erfolg ihm nichts bedeutet. Die Bindung zu seinem Mentor blieb bis zu dessen Tod 2017. Seine Geschichte soll als Buch erscheinen; der Titel steht fest: Zögling Nr. 32.
Zur Eröffnung trägt das Tierheim seinen Namen. Zur Namensweihe reiste Schnells Witwe Eva mit Kindern und Enkeln an. Der Leipziger Künstler Crow, ein Jugendfreund von Lars Luck, schenkte das überlebensgroße Wandbild — und das Original der Familie.
„Ich bin gerührt und habe mit den Tränen zu kämpfen. Die Beiden haben sich einfach gemocht — und Lars hat meinen Mann vielleicht ein bisschen als Vater gesehen."Eva Schnell bei der Namensweihe (MDR THÜRINGEN, 02.05.2026)
MDR THÜRINGEN und inSüdthüringen haben die Geschichte ausführlich erzählt — hier zum Ansehen, Anhören und Nachlesen.
„MDR um 7" (1. Mai 2026) — der Player springt direkt zum Ausschnitt über das Hundeparadies (ab Min. 17:32). Der Player gehört dem MDR.
Der entscheidende Unterschied zu vielen Tierheimen: Hier wird nicht verwahrt, sondern gearbeitet — damit aus „aussichtslos" wieder „vermittelbar" wird.
Auf rund 20.000 m² weitläufigem Gelände hat jeder Hund Platz. Die beiden Wolfshybriden haben inzwischen sogar zwei eigene große Gehege — als Dauergäste, denn ihr Wolfsanteil ist zu groß, um mit ihnen einfach spazieren zu gehen.
In jedes Tierheim gehört für Lars Luck ein Trainer, der das Trauma der Hunde aufarbeitet — damit sie schnell vermittelt werden können und ein Heim nicht zur reinen „Aufbewahrungsstation" wird.
Solar für Strom, Zisterne für Wasser, Holz zum Heizen — und behördlich genehmigt. Kein Graubereich, sondern ein anerkanntes, geprüftes Zuhause. Schon zur Eröffnung war das Paradies voll belegt; weitere Gehege entstehen laufend.
Nach einem Unfall mit Fahrerflucht holte die Feuerwehr Max aus einem Auto. Vier Jahre Tierheim machten ihn zunehmend aggressiv — die Einschläferung drohte. Lars Luck holte ihn zu sich und trainiert ihn täglich. Das Ziel: ein Zuhause bei Menschen, die mit seinen Eigenheiten zurechtkommen.
Das Paradies steht nicht still: Schon jetzt entstehen die nächsten Gehege. Jeder neue Platz ist ein Zuhause mehr für einen Hund, der sonst keine Chance hätte.
Träger ist der Verein Menschen-Herz 4 Tiere e.V. Rund 80 % der Mittel kommen über die Tattoo-Angels: Tätowierer aus zahlreichen Ländern, deren Honorare in den Tierschutz fließen — die Idee, „Tätowieren und Tierschutz zu verbinden", hatte Mit-Initiatorin Tamara Bode (Studio Schmalkalden) vor rund fünf Jahren. Im August steigt in der Region die nächste Tattoo-Convention. Die Schirmherrschaft tragen der Künstler Crow und Markus Gertken.
Das Paradies ist noch nicht fertig — es wächst weiter. Jeder Beitrag bringt einen Hund näher an einen sicheren Platz.
Lieber persönlich? Der Verein bietet Führungen für Schulen, Kindergärten und Gäste — Kindergartengruppen und Urlauber nehmen das längst gern an. Einfach melden.